Die Zerstörung von Wassersystemen wird immer häufiger als Kriegswaffe genutzt, zeigt ein neuer Bericht von UNICEF. Wieso Kinder besonders betroffen sind und wieso Wasser nicht nur zum Durststillen wichtig ist.

Für ein Glas sauberes und trinkbares Wasser müssen die meisten Menschen in Deutschland einfach nur den Hahn aufdrehen. 122 Liter verbrauchten wir in Deutschland 2024 am Tag – pro Person. Für die meisten ist Wasser aus der Leitung das Normalste der Welt. Doch in anderen Teilen der Welt oder dort, wo Krieg herrscht, sieht das ganz anders aus. Im Sudan hatten laut UNICEF 78 Prozent der Menschen nur 7,5 Liter am Tag zur Verfügung. In Gaza haben sieben von zehn Familien nicht einmal sechs Liter pro Person am Tag.

Laut UNICEFs neuem Bericht haben sich die gemeldeten Angriffe auf die Wasser-, Sanitär- und Hygieneversorgung seit 2021 in 23 untersuchten Ländern verdreifacht. Besonders betroffen sind Palästina, die Ukraine, Sudan, Syrien und Burkina Faso. Die Zerstörung der Wasserversorgung wird damit zu einer effektiven Kriegswaffe.

Palästina ist nach dem neusten Bericht von UNICEF weltweit am meisten von einer zerstörten Wasserinfrastruktur betroffen. Fast die Hälfte aller dokumentierten Angriffe auf die Wasser- und Sanitärsysteme wurde hier festgestellt. Neben den vorsätzlichen Angriffen gibt es aus Palästina zusätzlich dokumentierte Tötungen von Kindern an Wasserstellen durch Scharfschützen. Dadurch wird das Wasserholen in Palästina zu einer tödlichen Gefahr.

UNICEF: Krankheiten verbreiten sich mit Wassermangel schneller

Wasser ist eine Ressource, welche die meisten von uns als unendlich behandeln. Doch wenn sauberes Wasser fehlt, dann fällt das Sicherheitsnetz einer ganzen Gesellschaft in sich zusammen. Die Zerstörung der Wasserinfrastruktur löst einen Dominoeffekt aus, der für die Bevölkerung zu einer Belastungsprobe wird.

Ohne sauberes Wasser können sich Krankheiten wie Cholera oder andere Durchfallerkrankungen schneller verbreiten. Mangelernährte Kinder, die Durchfall bekommen, können damit schlechter umgehen als gesunde Kinder – sie können kaum Nährstoffe aus beispielsweise therapeutischer Zusatznahrung aufnehmen, die sie so dringend bräuchten.

Angriffe auf die Wasserversorgung im Sudan im September 2025 führten dazu, dass Menschen kaum medizinisch versorgt werden konnten, obwohl es Cholera-, Dengue- und Malariaausbrüche gab. Ein Hepatitis-E-Ausbruch zur selben Zeit führte zu 43 Todesfällen im Bundesstaat Al Dschazira – 80 Prozent davon waren Schwangere, heißt es im Bericht von UNICEF.

Sauberes Wasser löscht nicht nur Durst

Eine funktionierende Wasserversorgung ist nicht nur für den Verzehr wichtig. Krankenhäuser können ihre Geräte ohne Wasser nicht sauber halten. Geburten hygienisch zu betreuen, wird unmöglich und damit zum Gesundheitsrisiko für Mutter und Kinder.

Die Menschen können sich oder ihre Kleidung ohne Wasser nicht waschen. Vor allem für Frauen und Mädchen, die ihre Periode haben, stellt dies ein großes Problem dar, denn das Risiko für Infektionen der Harnwege oder Geschlechtsorgane steigt damit rasant.

In einer Geflüchtetensiedlung im Südsudan hatten Frauen und Mädchen nur eingeschränkten Zugang zu Hygieneartikeln während ihrer Periode. Sie hatten kaum sauberes Wasser, um sich zu waschen, geschweige denn einen privaten Ort zum Umziehen. Diese Frauen und Mädchen wurden dem Bericht zufolge vermehrt von Männern angesprochen, die ihnen Geld oder Hygieneprodukte gegen Sex anboten.

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Frauen und Mädchen besonders von Wassermangel betroffen

Dass Wasser auch ein Geschlechterthema ist, zeigt, dass in 7 von 10 Haushalten die Aufgabe des Wasserholens Mädchen und Frauen zufällt. Insbesondere in Vertriebenencamps müssen sie oft lange Wege zurücklegen, um zu den Wasserstellen zu kommen. Das Risiko, dass sie auf dem Weg sexualisierte Gewalt erfahren, ist hoch. Außerdem müssen vor allem Mädchen einen großen Teil des Tages für das Wasserholen einplanen, was sie wiederum davon abhält, regelmäßig zur Schule zu gehen, mit schweren Auswirkungen auf ihre Zukunft.

Verwendete Quellen